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Reiseberichte
von Klaus Bölling und Renate Rüthlein
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Bretagne September 2006

Ein Reisetagebuch

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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac,
Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes.
 
SO 10.9.06.
KB: Über Mannheim, Saarbrücken, Metz und Verdun fahren wir unserem heutigen Etappenziel, dem Campingplatz in Arcis sur Aube in der Champagne entgegen. Bereits am frühen Nachmittag sitzen wir auf der schattigen Terrasse des Lion d’Or am Stadtrand von Verdun und trinken einen Café. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem potentiellen Nachtlager.

Ab Chalons wird es spannend, denn wir wissen nicht, ob der Camping in Arcis noch existiert. Kurz vor der Ortseinfahrt sehen wir dann endlich das Hinweisschild und fühlen uns sehr erleichtert. Bis auf eine Hütte aus Holz, die jetzt den Empfang beherbergt, hat sich nichts verändert. Der Empfangschef ist ein hageres Männlein um die Vierzig, der gerade mit einigen niederländischen Wohnklo-Damen in ein lebhaftes Gespräch in deren Muttersprache verwickelt ist. Er ist sich seines exotischen Charmes so bewußt, dass er uns und zwei weitere Neuankömmlinge ungeniert warten läßt, während er unentwegt, wie auch die des Holländischen nicht Mächtigen erraten, Bullshit erzählt. Schließlich spreche ich ihn auf Deutsch an, dass er wohl kaum Franzose sein könne, denn einen Franzosen, der Holländisch spricht, hätte ich noch nie erlebt. Er antwortet grinsend in einem gepflegten Rudi Carrell Deutsch: Ich auch nicht... Im übrigen sei er tatsächlich Holländer, die Damen dagegen seien Niederländerinnen. Wir beruhigen ihn, dass wir uns des feinen Unterschieds zwischen Niederländern und Holländern sehr wohl bewußt seien. Als sein Chef hinter dem Tresen auftaucht, spricht er, Sprachgenie wie die meisten Niederländer, mit ihm fließend Französisch. Der Chef ist immer noch der alte Zausel, den wir von unserem ersten Besuch im Jahr 1999 her kennen. Er hat ein bißchen mehr Bauchmuskulatur zugelegt, dafür aber Zähne im Maul und nuschelt uns auch heute etwas hinterher, was Aufwiedersehen heißen könnte.

Heute ist der Platz, jahreszeitlich bedingt, angenehm leer. Außer einem kleinen Zelt gibt es nur ein paar Wohnklo-Rentner aus NL oder GB. Ein Neuankömmling dirigiert seinen Wohnanhänger lässig mittels Fernbedienung in die richtige Position, was sehr witzig aussieht. Es ist wohl der erste Versuch, denn auch seine Frau sieht fasziniert zu.

Wir verspeisen unsere halben Hähnchen und merken, dass wir nach 496 Kilometern doch ziemlich groggy sind. Die Aube rauscht immer noch, über bemooste Findlinge schäumend, auf die alte Brücke zu. Die Strömung ist heftig. Wahrscheinlich hat es da, wo sie herkommt, starke Regenfälle gegeben. Auf unsere Frage, wann der Platz zumache, hatte uns der Mensch vom Accueil gesagt, wahrscheinlich Ende September, aber das hänge vom Wetter ab; wenn es regne und Hochwasser gebe, sei der Platz überschwemmt.

RR: Wir waren diesmal kurz vor Metz auf die Autobahn und eine gute halbe Stunde nördlich um die Stadt herum gefahren, da wir uns erinnerten, dass diese Strecke mautfrei war. Fünfhundert Meter vor der Ausfahrt Jarny, wo wir wieder auf die N 3 wollten, stand jetzt eine Mautstation, und wir mußten bei der Ausfahrt 1 Euro 60 bezahlen. Abends habe ich einen „Autofahrerarm“. Die linke Seite ist von der Sonne gut durchgebraten, die rechte noch fast roh.
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© Klaus Bölling, Frankfurt 2006
 
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