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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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MI 20.9.06. Um halb acht haben wir 17 Grad. Der Wind kommt aus Südost. Unser heutiges Ziel ist die Halbinsel Quiberon, deren Ostküste wir als langen Strich am Horizont von unserem Strand aus täglich sehen. Kurz hinter Carnac geht es links ab. Nachdem wir ein Kiefernwäldchen durchfahren haben, ahnen wir irgendwann zu beiden Seiten das Meer. Offensichtlich befinden wir uns auf dem nur 25 Meter breiten Landstreifen, der im Laufe der Jahrhunderte durch Sandanschwemmungen entstanden ist und aus der einstigen Insel eine Halbinsel gemacht hat. Links, verdeckt von niedrigem Buschwerk, die Bucht, rechts das offene Meer, vor dessen weitem Blau sich auf einer felsigen, flachen Landzunge eine mächtige Festung erhebt, das Fort Penthièvre. Hier war 1795 die bei Carnac gelandete Armee der royalistischen Emigranten von der Armee der Revolution besiegt worden. Die wenigen Überlebenden des Gemetzels wurden später in der Nähe von Auray hingerichtet. Auch heute noch weht die Trikolore über den Granitmauern. Am Straßenrand stehen Jeeps, man grüßt sich militärisch knapp, und wir sehen, wie ein paar Rekruten, auf dem Bauch robbend, auf die Verteidigung des Vaterlandes vorbereitet werden. Gleich nachdem wir das Fort hinter uns gelassen haben, biegen wir von der Hauptstraße ab in Richtung Westen, wo die flachen Sandstrände des Nordens allmählich in eine Steilküste, die Côte Sauvage, die Wilde Küste, übergehen. Der Himmel ist sehr hoch und fast mediterran, der Wind weht kräftig, aber vom Land her, so dass die wilde Küste kaum Gelegenheit hat, sich ihres Namens würdig zu erweisen. Abgesehen von ein paar tiefen Felsschlünden, von bizarren Grotten und Spalten, in denen weit unten der Ozean gurgelt, macht sie heute keinen gefährlichen Eindruck. Das ist offensichtlich schon etlichen Besuchern zum Verhängnis geworden. Nahe einem Felsvorsprung über einem schaurigen Abgrund, der eine liebliche Badebucht begrenzt, steht ein hoher Findling mit einer Inschrift: „Hier wurden im Jahre 1976 beim Versuch, einen Unvorsichtigen zu retten, die beiden Retter (es folgen die Namen) selbst vom Meer verschlungen…“ Alle paar hundert Meter stehen große Tafeln, die auf das absolute Badeverbot an der ganzen 8 Kilometer langen Küste hinweisen. Man kommt immer wieder an Aussichtspunkten vorbei, die Namen haben wie „Teufelsgrotte“ oder „Souffleurkasten“. Fast überall steigen wir aus und wandern ein paar hundert Meter auf dem schmalen Ziegenpfad, der sich von Horizont zu Horizont durch die Ginster- und Bruyère-Heide schlängelt, manchmal so hart am Rande des Abgrunds, dass bei mir die Bienen im Bauch zu summen beginnen. Wir warten die ganze Zeit darauf, dass wir endlich zur Pointe du Percho kommen, wo eine „Landnase steil ins Meer abfallen“ soll. Es soll der „gigantischste Aussichtspunkt“ sein, „hinter dem die unter Naturschutz stehende Côte Sauvage beginnt“… Irgendwann, als wir schon durch eine Ferienhaussiedlung am Stadtrand von Quiberon fahren, das am südlichsten Ende der Halbinsel liegt, wird uns dann klar, dass wir die ganze wilde Küste bereits hinter uns gelassen haben. Alle Schilderungen, die wir gelesen hatten, waren doch etwas gewaltiger gewesen als die Wirklichkeit. Es fehlt heute der steife Westwind und damit die Brandung, um aus diesem Bonsai-Cornwall etwas wirklich Aufregendes zu machen. In Quiberon fahren wir ein Stückchen am Hafen entlang, fühlen uns wie in jedem x-beliebigen halbmondänen Seebad und fragen uns, warum die deutschen Partnerstädte bretonischer Seebäder so oft in den bayerischen Bergen liegen. Wir wenden bei nächster Gelegenheit, um über die Küstenstraße, auf der wir gekommen sind, wieder zurückzufahren. Ins Landesinnere und an die flache Ostküste mit ihren ausgedehnten Sandstränden zieht uns nichts, da dort die Ferienhaussiedlungen und Campingplätze ineinander übergehen. Kein Wunder bei den 100 000 Besuchern, die in der Hauptsaison hier beherbergt werden wollen, wo während der übrigen Zeit des Jahres gerade mal 7000 Menschen leben… Den Nachmittag verbringen wir an unserem Hausstrand. Der Himmel besteht aus reinstem Azur. Wenn man im Windschatten sitzt, ist es angenehm warm in der Sonne, ansonsten braucht man eine Jacke. Schräg gegenüber von Nr. 52 hat ein junges Pärchen ein großes Iglu aufgebaut, das genau so konstruiert ist wie unser kleines, nur höher, dass man darin stehen kann. Die belgischen Rentner von direkt gegenüber scheinen zum Aufbruch zu rüsten, das Vorzelt wird abgebaut und überall wird geputzt, später machen sie Abschiedsbesuche bei den Rentnern der Umgebung, wo sich die Tölen des jeweiligen Wohnklos lautstark gegen die Eindringlinge und deren beleidigt kläffende Idefixe wehren. Gegen 8 Uhr gehe ich noch mal auf die Düne, denn ich erwarte einen Sonnenuntergang der besonderen Art. Doch einen halben Meter über dem Horizont versinkt die Sonne hinter einer Wolkenbank, die bis dahin nicht sichtbar gewesen war. Dafür ist es später vorm Zelt fast völlig windstill. Wir trinken Rotwein, schauen in den gewaltigen Sternenhimmel und sind früh im Bett. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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