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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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FR 22.9.06. Um 10 Uhr haben wir 17 Grad. Es hat viel geregnet in der Nacht. Doch das Innenzelt ist trocken geblieben. Da der Wind wieder auf West gedreht hat und die eine Tür geschlossen und die andere wieder geöffnet werden mußte, installieren wir uns, was Kochecke und Esstisch betrifft, so, dass wir nicht bei jedem Wechsel der Windrichtung alles erneut umräumen müssen. Unser heutiges Ziel ist der „Argoat“, das Waldland im Inneren der Halbinsel. Über Auray, Vannes, Ploërmel fahren wir in den Forêt de Paimpont. Das ist nicht irgendein Wald, sondern der Zauberwald Brocéliande aus der Artussage, an dessen Rand sich Merlins Grab befindet. Nachdem wir hinter Ploërmel bei Campénéac die Autobahn verlassen haben, fahren wir jetzt auf einem winzigen Landsträßchen, über dem sich erhaben die Wolken türmen. Zu beiden Seiten hüfthohe Farne, Laubwald und ausgedehnte Lichtungen, auf denen Kühe weiden. Sobald ein Sonnenstrahl aus dem Wolkengebirge hervor bricht, beginnt das nasse Grün wie ein Edelstein zu leuchten. Links geht es zum Val sans Retour, dem Tal ohne Wiederkehr, wo die Fee Morgane, die dort lebte, jeden fahrenden Rittersmann, der seiner Gemahlin untreu geworden war, in Bann geschlagen hatte. Es soll von Rittern gewimmelt haben, die alle das Tal nicht mehr verlassen konnten, weil die Fee ihrerseits einen ziemlichen Verschleiß an Männern hatte. Erst dem edlen Ritter Lancelot gelang es, den Bann zu brechen und die Gefangenen zu befreien. Wir lassen das Tal links liegen und biegen etwas später in einen asphaltierten Feldweg ein, der nach dem aus drei Gehöften bestehenden Ort Beauvais und dem Grab der Viviane führen soll. Viviane war die Geliebte des Zauberers Merlin, dem sie mit weiblicher List seine Zaubergeheimnisse abgeschmeichelt hatte, mit deren Hilfe sie ihn am Ende selbst ausmanövrierte. Von einem leeren, matschigen Parkplatz gehen zwei mit rotem Granitschotter befestigte Wege ab. Der eine führt nach links zum Tombeau des Géants, dem Grab der Riesen, der andere, für den wir uns entscheiden, zum „Hotié de Viviane“, womit wohl, obwohl der altertümliche Ausdruck Hotié eher Haus, Wohnstätte bedeutet, ihr Grab gemeint ist. Der Weg führt durch eine lichte Auenlandschaft, in der sich kleinere Ansammlungen von halbstarken Laubbäumen mit niedrigem Buschwerk und Weideflächen abwechseln. Eine ausdrucksvolle Stille liegt über dem Land, wenn nicht gerade aus den schnell ziehenden Wolken ein kräftiger Regenschauer auf unsere Schirme prasselt. Nach etwa 2 Kilometern hört der künstlich angelegte Schotterweg auf und geht in diverse Trampelpfade über. Wir gehen auf gut Glück nach links auf eine sich sanft ins Gelände ausbreitende, von lila Heidekraut umgebene Felsformation zu, die von einer ebenmäßig geformten Spitze gekrönt wird. Wie es scheint, befinden wir uns auf einem der höchsten Punkte der Landschaft, denn in drei Richtungen haben wir Ausblicke auf weites, von waldigem Horizont gesäumtes Land, über das mit geblähten Segeln Wolkenschiffe treiben. Die Felsen leuchten alle Augenblicke in anderem Licht, so dass man sie streicheln möchte, damit sie sich endlich beruhigen. Nichts deutet darauf hin, dass hier das Grab der Viviane ist, aber auch nichts auf das Gegenteil. Wir brauchen nur zu beschließen, dies hier ist das Grab der Viviane, und dann issesdas, und wir sind da gewesen! Trotzdem zögern wir noch etwas mit unserem Beschluß und versuchen erst einmal, uns über einen parallel verlaufenden Pfad, der durch schulterhohes Farnkraut führt, einen Weg zurück zum Schotterweg zu bahnen. Und siehe da, auf halbem Wege steht plötzlich, ordentlich verwittert, kaum lesbar und fast zugewachsen, ein Pfahl mit einem hölzernen Pfeil dran, dem wir, mehr intuitiv, entnehmen, dass wir dem Grab der Viviane ganz nahe sein müssen. Der Pfeil zeigt in Richtung eines steilen, felsigen Pfades, der eher an die Wand eines Wasserfalls, dem das Wasser ausgegangen ist, erinnert, denn an einen Fußweg. Nachdem wir diesen, ohne Steigeisen und ohne angeseilt zu sein, hoch geklettert sind, gibt es keinen Zweifel mehr, wir sind am Ziel! Ein knappes Dutzend im Oval aufgestellte, etwa einen Meter hohe Steine, die innen gerade Platz für einen ausgestreckt liegenden menschlichen Körper lassen, stehen auf einer terrassenförmigen, rings von Gebüsch umgebenen Lichtung und lassen nicht nur an ein Grab denken, sondern erinnern auch, da die Deckenplatte fehlt, mit etwas Phantasie an eine Versammlung kleinwüchsiger, versteinerter Männer (wieso eigentlich Männer?! - RR: Ist doch klar, weibliche Steine sehen einfach eleganter aus…), die mit vorgereckten Köpfen und starren Schultern Wichtiges zu bereden haben… Ehe uns weitere vorgeschichtliche Schauer über den Rücken laufen können und wir völlig in den Nebeln von Avalon verloren gehen, gemahnt uns ein am Zweig einer amerikanischen Eiche befestigtes, hellrotes Tüchlein daran, dass wir uns nicht außerhalb der Welt befinden, denn es hängt ein in durchsichtiger Folie verwahrter Zettel dabei, der darum bittet, man möge ihn hängen lassen, da er einer Schulklasse als Wegmarke bei einem für die nächsten Tage geplanten Geländespiel diene… Zurück im Auto, veranlaßt uns ein flinker Regenschauer, eine kleine Pause einzulegen. Wir essen einen Happen und überlegen, ob wir uns den Weg in die andere Richtung, zum Tombeau des Géants, noch zumuten sollen. Die Füße sagen eigentlich nein, doch wir stellen fest, dass es schwer fällt, sich vom Zauber dieser Gegend zu verabschieden, die eher an eine Heidelandschaft mit vereinzelten Flecken von lichtem Laubwald darin, denn an eine klassische, düstere Waldlandschaft, die wir erwartet hatten, erinnert. Es kann natürlich sein, dass das, was wir hier sehen und was uns, so wie es ist, gefällt, nur die Wunden eines mehr als 15 Jahre zurückliegenden, verheerenden Waldbrandes sind, der auch das Val sans Retour schrecklich verwüstet haben soll… Als schließlich der Regen aufhört, fällt es uns leichter, noch ein mal aufzubrechen. Nach etlichen hundert Metern zieht sich rechts des Weges eine natürliche, von Heidekraut und Stechginster bewachsene Felsformation bis zur Kuppe eines sanften Hügels hinauf. Wir nehmen an, dass das hier das Grab der Riesen sein soll, wissen es aber nicht genau und sind auch nicht mehr bereit, den Hügel hinauf zu klettern, um nachzuschauen, ob dort Riesen begraben liegen. Vorsichtshalber gehen wir noch einen guten halben Kilometer weiter, doch es kommt nichts mehr, was nach einem Grab von Riesen aussähe, deshalb wandern wir, unter die Schirme geduckt, auf die ein heftiger Regenschauer niedergeht, zurück zum Parkplatz. Kaum sitzen wir im Auto, bringt eine liebenswürdige Spätsommersonne die Pfützenlandschaft des Parkplatzes, in der sich der Wolkenhimmel spiegelt, zum Leuchten. Nach ein paar Kilometern Landstraße, die durch ein ausgedehntes, zusammenhängendes Waldgebiet führt, erreichen wir den kleinen Ort Paimpont, der dem Wald den Namen gibt. Eine Hand voll Häuser schart sich um eine düstere Abtei aus dem 13. Jahrhundert, die auf einen sanften See blickt, in dem sich der Himmel und die bewaldeten Ufer spiegeln. Mit seinen Mauern aus grauen Granitquadern und den verwinkelten, schwarzen Schieferdächern, auf denen der Regen glänzt, wäre der Ort die ideale Kulisse für einen Mantel-und-Degen-Film aus der Zeit der Musketiere. Im Inneren der Abtei wohnen der liebe Gott und der Bürgermeister, der dort hinter einem hohen, mit Schnitzereien verzierten Portal sein Büro hat, Wand an Wand. Das Kirchenschiff selbst macht einen verstaubten, unaufgeräumten Eindruck und scheint seit dem 12. Jahrhundert eine Baustelle zu sein. Die Holzvertäfelungen an einem Teil der Wände sind handwerklich solide gearbeitet und mit feinen Verzierungen versehen, doch scheint man mitten in der Arbeit aufgehört zu haben, denn der Großteil der Wände bietet nichts als den nackten Verputz mit Feuchtigkeitsflecken. Es riecht auch weniger nach Weihrauch und Wachskerzen, denn nach Schimmel und Moder. Der nur über einen Pfad von der Seeseite her zu erreichende Innenhof der Abtei wird durch eine hohe, düstere Mauer gegen den See hin begrenzt. Eine melancholisch vor sich hin grünende, auf französische Art rechtwinklig zurecht gestutzte Hecke rahmt ein inmitten verblühender Hortensien stehendes bretonisches Steinkreuz ein, in das die V-förmig aufeinander zulaufenden Jahreszahlen 1199 und 1999 eingemeißelt sind. Diese Architektur könnte also wirklich Geschichten aus sehr alten Zeiten erzählen, wenn wir gewillt wären, ihr zuzuhören… Ehe wir weiterfahren, setzen wir uns noch kurz vor das einzige Bistro an der völlig verödeten Hauptstraße, wo wir auf die in dieser Umgebung anachronistisch anmutende, aufdringlich moderne Fassade eines Haushaltswarengeschäftes blicken, dem einzigen Farbtupfer im grauschwarzen Grundmuster des Ortes. Aus dem Inneren des Bistros hört man ab und zu die Akkorde eines Bandonéons. Aber die Finger des Unbekannten, den wir nicht sehen können, kommen nicht so recht in Stimmung. Sie brauchen wohl noch etliche Gläser Pastis, um richtig loszulegen. So lange können wir leider nicht warten, denn es gilt noch, Merlins Grab zu suchen. Nachdem wir abermals etliche Kilometer durch düsteres, zusammenhängendes Waldgebiet gefahren sind, das aussieht als ob es nie jemals richtig trocken würde, öffnet sich die Landschaft. Ein Schild weist uns nach links auf eine kleine Straße, die zu Merlins Grab und zum nahe gelegenen Jungbrunnen führen soll. Auch hier bedarf es wieder einer mächtigen Portion Intuition, um sich zurecht zu finden. Ein Parkplatz am linken Straßenrand deutet zwar darauf hin, dass es hier etwas zu sehen gibt. Doch wo, rechts, links, geradeaus, auf der anderen Straßenseite? Für die entscheiden wir uns schließlich, denn der Weg, der auf der Parkplatzseite in den Wald hinein führt, ist durch eine Holzbarriere verrammelt und dürfte somit nicht in Frage kommen. Inmitten hohen Farns, durch den sich mehrere schlammige Trampelpfade schlängeln, an deren Ende man eher ein Naturklo vermutet, denn das Grab eines Zauberers, entdecken wir einen halb verfaulten Holzpfahl, an dem ein verwittertes, unleserliches Schild hängt. Mitleidige Besucher haben für die Nachfolgenden Papierzettel angebracht, auf denen man mit etwas Phantasie ein paar mit Filzschreiber gekritzelte, halb zerlaufene Buchstaben erkennen kann: …omb…erl…, oder so. Die Spur ist also heiß, und sie führt zum Ziel. Am Rande einer eingezäunten Wiese steht ein mickriger Baum, der aussieht, als hätte man eine verkrüppelte Fahnenstange in den Boden gerammt und daran bunte Bänder befestigt. Auf in durchsichtigen Plastiktütchen steckenden Zetteln entsorgt hier die weltweite Merlingemeinde ihre unerfüllten Wünsche. Wir entdecken Visitenkarten mit E-Mail- und Webadressen. Auf einem Zettel mit Datum von heute steht „Al nostro amico Merlin“… Da ich „Die Nebel von Avalon“ noch nicht gelesen habe, bin ich nicht so sehr beeindruckt von dieser an einen Komposthaufen erinnernden Grabstätte, aber Merlin ist ja auch gar nicht tot, er lebt nur in einer anderen Dimension; „gefangen in einem neunfach gestaffelten Kreis aus Luft wartet der Unsterbliche auf das Ende der Zeit“. RR: Hier muss ich doch hinzufügen, dass ich ein kleines blassviolettes Blümchen pflückte und es Merlin mit kaum hörbar gemurmelten Grüßen an seinen Grab-Baum klemmte… KB: Über die Fontaine de Jouvence ist nur zu berichten, dass wir sie nicht fanden. Da es bereits 4 Uhr nachmittags ist, machen wir uns auf den Rückweg nach Locmariaquer. Über unseren Köpfen segelt eine aus Süden kommende, tief gestaffelte Armada aus Regenwolken, durch die ab und zu wie ein lautloser Kanonenschuß die Sonne bricht. Wir sind hungrig und müde und freuen uns auf unser gemütliches Iglu. Im Utile kaufen wir Hähnchennuggets und eine Dose Dorschleber. Gegen 6 Uhr sind wir auf dem Platz. RR fährt voraus, während ich an der Rezeption aussteige, um nach dem Wetterbericht zu schauen. Mit einem etwas verlegenen Gesichtsausdruck kommt der junge Mann vom Accueil auf mich zu und fragt: Sie stehen doch auf Nr. 52?! Ja… Es hat da, während Sie weg waren, einen kleinen Unfall gegeben. Ein Baum ist umgestürzt und auf Ihr Zelt gefallen. Aber es ist kaum etwas passiert. Nur ein oder zwei kleine Löcher im Außenzelt. Wir mussten leider alles abbauen, um den Baum fällen zu können… Dies alles erzählt er mir, während wir in Richtung unseres Platzes hasten. RR: Nachdem ich KB an der Rezeption raus gelassen hatte, fuhr ich langsam vor und dachte, ich sei aus Versehen in den falschen Weg eingebogen. Der Platz, wo unser Zelt hätte stehen müssen, sah wie frisch umgegraben aus und war von den Reifenspuren eines großen Traktors durchpflügt. Von dem Baum, der uns Schatten gespendet hatte, gab es nur noch einen Stumpf. Hinter einer Hecke lag ein unförmiger blauer Klumpen, der wie unser Zelt aussah. Ich dachte nur, das können die doch nicht machen… Während ich immer noch aus dem Autofenster starre, kommt der Rentner von gegenüber und erzählt mir, was passiert ist. Schließlich fragt er, ob ich französisch spreche, was ich verneine. Jetzt erzählt er mir mit Händen und Füßen das Ganze noch einmal. KB: Als ich Nr. 52 erreicht habe, schließe ich meine fassungslos da stehende Frau in die Arme und erzähle ihr ganz schnell, was ich vom Platzwart erfahren habe. Der redet immer noch auf uns ein, dass der Baum völlig in Ordnung gewesen sei, alle Bäume würden regelmäßig kontrolliert, es sei unerklärlich, warum sich der dicke Ast „gedreht“ und sich mehr oder weniger behutsam auf unser Iglu gelegt habe. „Il a tourné“ sagt er immer wieder, ungläubig den Kopf schüttelnd. Il a tourné… Nachdem wir ihm klar gemacht haben, dass wir im Moment keine Hilfe brauchen, und keine Lust mehr haben zu quatschen, sondern lieber an den Wiederaufbau unseres zerstörten Heims gehen möchten, trollt er sich endlich. Der neue Stellplatz, für den wir uns nach einigem Diskutieren entschieden haben, liegt noch näher an der Düne, ist gegen Wind aus Süd und Ost geschützt, und befindet sich vor allen Dingen genau neben dem blauen, nassen Klumpen, aus dem unser Haushalt wiederauferstehen soll. Diesen Klumpen auseinander zu sortieren, ist nicht unbedingt eine angenehme Freizeitbeschäftigung, doch wir haben keine Wahl. Müdigkeit und Hunger sind vergessen, das Ding muß stehen, ehe es wieder zu regnen beginnt. Während wir natürlich einer diskreten Beobachtung durch die allernächsten Nachbarn unterliegen, sind wir bemüht, den Eindruck zu erwecken, als gehöre es zu den Selbstverständlichkeiten des Camper-Alltags, in einem nassen, sandigen Haufen ineinander verhedderter Plastikschnüre herumzuzupfen, unter dem unser Schlafzimmer begraben liegt. Nach einer guten Stunde haben wir das Knäuel soweit entwirrt und sortiert, dass wir mit dem Wiederaufbau beginnen können. Als das Außenzelt steht, kommen die ersten Nachbarn vorbei, um ein Schwätzchen zu halten. Jeder erzählt seine Version des Hergangs und zeigt uns Fotos auf dem Display seiner Digitalkamera. Manchmal können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass man uns unendlich dankbar ist, weil wir ein bisschen Abwechslung in ihren öden Urlaubsalltag gebracht haben. Alle haben nämlich, während wir nichts ahnend in den Nebeln von Avalon herumtappten, mit geholfen, unser Iglu abzubauen, damit das schwere Gerät Platz hatte, den Baum zu fällen. Auch die Elektriker kommen vorbei, als sie gemerkt haben, dass wir uns verständigen können und zeigen freudestrahlend ihre Fotos. Monsieur bereichert das Ganze noch um die äußerst lebhafte Beschreibung des Geräuschs, das der sich um seine eigene Achse drehende Ast verursacht hatte… Die belgischen Rentner wollen uns immer wieder klar machen, dass wir „bonne chance“ gehabt hätten, nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn wir im Zelt gewesen wären… Die netten Franzosen von gegenüber versichern, dass sie in den vierzig(!) Jahren, die sie hier ihren Urlaub verbringen, etwas derartiges nicht erlebt hätten. Übertroffen werde das Ereignis nur durch einen Orkan im letzten Jahr, als der Ozean bei Windgeschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern die Straße, die knapp 10 Schritte von uns entfernt ist, überspült hatte… Nachdem dann auch der Platzwart schwarzweiße Computerausdrucke seiner Fotos vorbei gebracht hat, können wir uns einen ersten optischen Eindruck von dem machen, was sich abgespielt hat. Doch erst beim genaueren Betrachten der Fotos, die uns der Platzwart liebenswürdigerweise per E-Mail nach Frankfurt geschickt hat, stellen wir fest, dass es weniger dramatisch gewesen ist, als es den Anschein gehabt hatte. Vom Weg aus gesehen war das Zelt zwar verschwunden, doch es lag nicht unter, sondern hinter der grünen Baumkrone verborgen. Der schwanenhalsförmige Ast hatte sich vor dem Zelt auf die federnden Astspitzen abgestützt, während das andere Ende noch am Stamm hing. Deshalb war es bis auf drei kleine Löcher unbeschädigt geblieben, und man hatte es gefahrlos abbauen können. Auch uns wäre wahrscheinlich nichts passiert, wenn wir drin gewesen wären. Nachdem es uns endlich gelungen war, mit der Entschuldigung, dass wir noch zu arbeiten hätten, die Nachbarn von unserem Grundstück zu vertreiben, schaffen wir es, gegen halb neun abends fertig installiert zu sein. Wir machen uns ein Thai Süppchen warm und essen die Büchse Dorschleber, die unsere erschöpften Leiber wieder mit neuer Energie versorgt. Ehe wir um Mitternacht schlafen gehen, versuchen wir noch, aus der ganzen Chose ein bisschen „Glück im Unglück“ herauszudestillieren, indem wir uns vorstellen, wir wären nur eine halbe Stunde später losgefahren heute Morgen… RR: Das Unglück war, wie man uns von allen Seiten bestätigt hatte, passiert kaum 10 Minuten, nachdem wir losgefahren waren. Wir hatten im UTILE kurz eingekauft, waren aber, weil ich dringend zur Toilette musste, noch mal zum Platz zurück gefahren und hatten auf dem Besucherparkplatz außerhalb geparkt. Während ich zu der dem Eingang am nächsten gelegenen Sanitäranlage ging, von der aus man unseren Platz nicht sehen konnte, waren die Nachbarn schon damit beschäftigt gewesen, unser Zelt abzubauen… KB: Wenn man sich vorstellt, wir hätten das Zelt auch noch abbauen müssen, der heutige Tag wäre gelaufen gewesen… |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
| Unsere Linkempfehlung: Reisespinne | ||||||||||||||||||||||||
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