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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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DI 26.9.06. RR: Um 8 Uhr haben wir 12 Grad. Außerdem gibt es: einen schönen Sonnenaufgang, Mücken, Nebel und absolute Windstille. Während wir, noch ziemlich dick angezogen, gemütlich frühstücken und Mücken erschlagen, stapft an unserer Terrasse ein etwas eigenartig aussehendes, ca. 60-jähriges Pärchen vorüber. Er ist bekleidet mit einem Tanga, und ein kleines gelbes Handtuch hängt über seiner Schulter. Sie trägt einen Badeanzug, darüber einen recht schäbigen Bademantel. Wie wir später feststellen, sind es Iren, die sich offenbar vorgenommen haben, bei jeder Temperatur mindestens eine halbe Stunde morgens und abends im Atlantik zu schwimmen. Den ganzen Tag herrscht Windstille, so dass die Mücken es sich in unserem Zelt gemütlich machen und auf uns, besser: auf mich warten. Gegen Mittag fahren wir nach Locmariaquer und setzen uns vor die „Creperie des Iles“ mit Blick auf den Hafen. Die parkenden Autos ignorieren wir und fühlen uns wohl. Ich bestelle Austern, zu denen kleine Graubrotscheiben und gesalzene Butter gereicht werden. Dazu eine Salade du Chef. KB bestellt in Weiswein gekochte Muscheln, die mit einer Schale Pommes (!) serviert werden. Dazu trinken wir - wir sind schließlich in der Bretagne - 1 Bolleé. Die meisten Gäste lassen sich den Cidré flaschenweise schmecken (KB: Ich lasse mich überreden, eine halbe Auster zu probieren. Doch mehr als den Geschmack von gesalzenem Bronchialschleim vermag ich ihr nicht abzugewinnen). Da offenbar der ganze Laden von einem Pärchen - sie macht die Küche, er bedient - geführt wird, bezahlen wir am Tresen. An einem Tisch sitzt ein Rentner mit zwei Rentnerinnen. Er hat einen Rentner-Hund auf dem Schoß, dessen Kopf, auf einer Serviette gebettet, auf dem Tisch ruht. KB: Kurz nach zwei fahren wir weiter nach Auray, wo wir uns noch die Oberstadt ansehen wollen. Doch außer einer langweiligen Kirche und einer Handvoll Fachwerkhäusern mit ein paar kleinstädtisch dekorierten Schaufenstern im Erdgeschoß gibt es nicht viel zu sehen. Die Kirche, St. Gildas, stammt aus dem 17./18. Jahrhundert und hat entsprechend wenig zu erzählen. Außerdem riecht sie verschimmelt. Darüber können auch die kunstvollen Holzschnitzereien nicht hinwegtäuschen. Am Eingangsportal hing eine Tafel, auf der stand, wenn ich das gestelzte Sakralfranzösisch richtig verstanden hatte, dass man gerade dabei war, die hölzerne Skulptur einer Märtyrerleiche zu restaurieren. In einem durch Stellwände abgeteilten Seitengang finden wir auch so etwas, das wie eine Werkstatt aussieht, aber keine Märtyrerleiche. Auf der Tafel war noch die Rede von einer Kapelle gewesen, in der die Märtyrerleiche, wenn sie nicht gerade restauriert wurde, besichtigt werden konnte, doch in der Kirche gibt es keine Kapelle. Die einzige Kapelle, die in der Nähe liegt und in die wir vorhin schon einen Blick geworfen hatten, beherbergt heute das Büro der Tourist Information. Und vor dem steht in einem kleinen Innenhof nur eine hölzerne Sitzbank mit zwei aus Holz geschnitzten Figuren, die ein bayerisches Maderl im Dirndl, das Zöpfe um den Kopf trägt und strickt, sowie einen bayerischen Burschen, der in einer Lederhose steckt und Pfeife raucht, darstellen. Doch von einer hölzernen Märtyrerleiche keine Spur. Es muß also an einem Übersetzungsfehler meinerseits liegen. In einem Bistro-Tabac, dessen gesamte Glasfront zur Straße hin geöffnet ist, lassen wir den Nachmittag in einer behaglichen Gauloise-Atmosphäre, mit zischender Cafémaschine und Zeitungsgeraschel im Hintergrund, gemächlich ausklingen. Wir bestellen zwei Grand Crèmes. Am Nebentisch ist man schon beim zweiten Pastis. Ein junger Mann, offensichtlich Deutscher, der hier lebt, beklagt sich bei seinen französischen Freunden darüber, dass er immer wieder Aufenthaltsgenehmigungen verlängern lassen muß. Auch wir dachten, dass man sich innerhalb der EU frei bewegen und niederlassen kann, wo man Lust hat. Liegen wir da etwa falsch? Kurz vor 5 sind wir wieder auf Nr. 56. Ein leichter Wind kommt aus Südwest, den man am Zelt aber kaum spürt. Um 6 Uhr haben wir immer noch 22 Grad. RR: Einer unserer belgischen Nachbarn, ein ca. 75jähriger, macht mit seinem Hund einen Abendspaziergang. Da wir schon fast zum Inventar des Platzes gehören, bleibt er für ein Schwätzchen bei uns stehen. Er kommt mit seiner Frau seit 30 Jahren hierher. Mit großer Bestimmtheit erklärt er, dass dieses der schönste Küstenstrich der Bretagne sei. Von seinem auch schon alten, häufig kläffenden Hund erzählt er, dass man diesen ausgesetzt hatte und sie ihn zu sich genommen haben. Im Juni waren sie schon einmal hier, aber morgen fahren sie mit ihrem ebenfalls alten Wohnmobil namens „Adria“ wieder nach Hause. Zum Schluss grinst er spitzbübisch und sagt: „Auf Wiedersehen“. KB: Wir sitzen bis lange nach Sonnenuntergang auf der Düne. Die Landschaft ist von einer Schönheit, daß es fast weh tut. Ein weiches Spätsommerlicht liegt über Land und Meer, auf das sich heute auch die kleinsten Segelboote hinaustrauen. Ein Fischkutter navigiert in gefährlicher Nähe der von der Flut nur leicht bedeckten Felsenriffe. Als der Sonnenuntergang uns eine kupferfarbene Brille aufsetzt, beginnen die Fußstapfen im Sand und selbst die mageren Dünengräser lange, dunkelblaue Schatten zu werfen. Wir sitzen noch bis Mitternacht unter dem riesigen Sternenhimmel. Ehe wir schlafen gehen, gelingt es mir, die winzige Sichel des zunehmenden Mondes zu fotografieren, die im Süden eine Handbreit über dem Horizont hängt. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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