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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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MI 27.9.06. Morgens kurz nach 8 haben wir 16 Grad, der Himmel ist bewölkt, der Wind kommt aus Süden. Der andere Eingang des Iglus wird geöffnet. Es gibt keine Mücken. Bis zum Nachmittag bleibt es bedeckt, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Unser heutiges Ziel ist Rochefort-en-Terre. Auf der Fahrt in den Wald von Paimpont hatten wir das Schild an einer Autobahnausfahrt nicht weit hinter Vannes gesehen, das Rochefort als „Village de charactère“, also „typisches Dorf“ anpries, auch im Reiseführer ist es als eines der authentischsten bretonischen Dörfer erwähnt. Kurz hinter Vannes fahren wir von der Autobahn ab auf eine schmale, kaum befahrene Straße, die einige Kilometer durch hügelige Landschaft führt und auf dem Parkplatz von Rochefort endet. Wir schmeißen 2 Euro in einen Automaten und dürfen so lange parken, wie wir wollen. Außer uns gibt es noch ein paar Autos mit französischen Kennzeichen, deren Insassen, da geheiligte Mittagszeit ist, auf den verglasten Terrassen der den Parkplatz an einer Längsseite säumenden Kneipen sitzen und teure Menus fressen. Das bedeutet, dass wir die Gassen in der nächsten halben Stunde für uns allein haben werden. Rochefort ist eine „village fleurie“, also ein Blumendorf, und das in Vier-Sterne-Qualität; überall am Straßenrand und neben Hauseingängen hängen oder stehen Kübel, in denen Geranien oder andere Blumen wachsen. Die Häuser zu beiden Seiten der Grand Rue sind aus verschiedenfarbigen Granitquadern solide und wie für die Ewigkeit gebaut. Im Erdgeschoß der meisten Gebäude, in denen früher der Landadel und das wohlhabende Bürgertum wohnten, die auf Grund der günstigen Lage des Ortes den Handel der Gegend kontrollierten, findet man Galerien, Kneipen oder Boutiquen. Am Marktplatz mit einem als Blumenkübel zweckentfremdeten, alten Brunnen verlassen wir die Grande Rue und biegen ab in ein parallel zu ihr verlaufendes Gässchen, das an einer grauen Granitmauer entlang führt, die das Gelände der ehemaligen Wehrburg begrenzt, auf dem heute das von zwei amerikanischen Malern restaurierte Schloß steht. Man sieht auf die etwas niedriger liegenden, verwinkelten Dächer, die mit schwarzem Schiefer gedeckt sind und aus denen schiefe Kamine, aus grauem Granit gemauert, empor wachsen. Alles ist liebevoll und harmonisch ineinander verschachtelt, ohne eng zu wirken, man kann sich gut vorstellen, dass wirkliche Menschen in dieser mittelalterlichen Architektur leben. Hinter der Place du Puits erhebt sich die sehr alte Kirche Notre Dame de la Tronchaye, der man gleich ansieht, dass sie viel zu erzählen hat. Das bordeauxrot gestrichene zweiflügelige Portal hebt sich kräftig von der verwitterten, graufleckigen Fassade ab. Über dem Portal lesen wir die Inschrift : En l’an 1533 fut cette oeuvre parfaite, im Jahr 1533 wurde dieses Werk also vollendet, begonnen hatte man damit allerdings schon 1125, als man eine romanische Kapelle errichtete, um einer hölzernen Statue der Jungfrau Maria ein Heim zu geben. Diese Statue war von einer Schäferin in einem hohlen Baumstamm gefunden worden, daher ihr Name Notre Dame de la Tronchaye , Unsere Liebe Frau vom Hohlen Baum. Auch wenn man den Ursprung dieser Statue nicht genau kennt, nimmt man doch an, dass sie während der Invasion der Normannen im 10. Jahrhundert dort versteckt wurde. Heute wird alljährlich im August ein Pardon zu Ehren der Dame von Tronchaye veranstaltet. Wir sehen sie über dem Seitenaltar im südlichen Querschiff schweben, der an die Bühne eines Kasperle-Theaters erinnert. Sie ist in gelb und weiß gekleidet, ihr lächelndes Gesicht ist im Laufe der Zeit schwarz geworden, in der rechten Hand trägt sie ein Kreuz, auf dem Kopf eine mit Halbedelsteinen besetzte Krone. Ende des 15. Jahrhunderts wird aus der einfachen Kapelle eine Stiftskirche, in der sieben Domherren angestellt werden, um für den Stifter und seine Familie täglich die Messe zu lesen. Der Sohn des Stifters erhöht die Zahl der Domherren auf 13 und läßt sie die Messe noch zusätzlich für die Seele seiner verstorbenen Frau lesen. Während der Revolution wird das Gebäude stark beschädigt und vorübergehend als Warenlager genutzt. Erst 1802 wird Rochefort offiziell zur Pfarrgemeinde erklärt. Bis dahin war die Kirche eine Art „Privatkirche“ gewesen, zu der nur zahlende Mitglieder Zugang hatten. Ein architektonisches Detail ist von Interesse. Damit die menschliche Stimme nicht von den Mauern als Echo widerhallt, sind hier und da Tontöpfe (pots acoustiques) in die Wände eingelassen, die die Klangwellen der menschlichen Stimme absorbieren. Eine angeblich schon in der Antike bekannte Technik. Zum Schluß machen wir noch einen kurzen Besuch Backstage, also hinter dem Altar, wo es sehr hell und staubig ist und nach Mottenkugeln und Weihrauch riecht. In einer von einer Gittertür versperrten Kammer befindet sich der „Kirchenschatz“: Zwei Heiligenfiguren aus Gips liegen ausgestreckt auf dem Fußboden und sehen aus, als hätten sie dringend eine Restaurierung nötig. Auf einem schmiedeeisernen Ständer steht eine alte, aufgeschlagene Bibel, dahinter ein wackliger Tisch mit Brandflecken auf der Tischplatte, daneben auf einem Kleiderständer die sehr angestaubte, nachtblaue Soutane eines Domherren. Diese hatten der Messe in den geschnitzten Bänken, die rechts und links des Altars stehen, beigewohnt. Als wir den Altarraum verlassen, fällt eine breite Bahn Sonnenlicht in den dunklen Flur und bringt drei ineinander gestapelte Putzeimer mit dazu gehörigem Schrubber und Wischlappen zu ganz profanem Leuchten. In einer Seitengasse in unmittelbarer Nähe der Kirche befindet sich im Erdgeschoß eines krummen, sehr alten Hauses die Crêperie La Sarrazine, wo wir Gallettes fromage und Gallettes jambon und zwei Bollées bestellen (9,10 €). Die Wände der Gaststube sind kanariengelb gestrichen. Da wir keine Aschenbecher entdecken können, fragen wir den Wirt, ob wir rauchen dürfen. Der sagt erst nein, bringt dann aber doch einen Aschenbecher und meint, ausnahmsweise, da wir die einzigen Gäste seien im Augenblick, normalerweise, wenn es voller wäre und alle rauchen würden, wäre der Raum mit seiner extrem niedrigen Decke in kurzer Zeit voll gequalmt. Er erzählt, dass das Gebäude ebenso wie der offene Kamin in der gegenüber liegenden Wand aus dem 16. Jahrhundert stammen, dass er Speyer und Worms kennt, weil er dort gearbeitet hat, außerdem findet er, dass Deutsch eine schwere Sprache ist. Dass Französisch auch keine einfache Sprache ist, merke ich auf dem Parkplatz, an dessen Rand auf der Höhe unseres Autos, das jetzt ganz allein dort steht, sich ein uraltes, gebücktes Weiblein herumtreibt, das mir mit seinem langen Hexenfinger winkt, zu ihm zu kommen. Zischend und gurgelnd kollert sein wahrscheinlich stark dialektgefärbtes Französisch durch diverse Zahnlücken. Es will mir etwas sagen, aber ich verstehe leider kein Wort. Als ich gehe, will es mich noch einmal mit beschwörenden Gesten zu sich winken, doch ich winke nur freundlich zurück und steige schnell ins Auto. Als wir gegen 4 Uhr auf dem Platz ankommen, schneidet der junge Mann, der sonst die Sanitäranlagen saubermacht, mit einer Motorsäge die Hecken in der Nähe unseres Zeltes. Eine Viertelstunde später hört er zum Glück auf. Ich glaube, es ist überflüssig zu erwähnen, dass auch bei diesem jungen Mann eine arabische Herkunft die Voraussetzung war, um Tätigkeiten wie Kloputzen und Heckenschneiden ausüben zu dürfen… Heute Morgen sind einige Leute abgereist, andere sind beim Packen. Wir haben beschlossen am Sonntag zu fahren. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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