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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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DO 28.9.06. Um 8 Uhr morgens messen wir 18 Grad. Es ist fast windstill, nur aus Süden kommt ein warmer Hauch. Wir haben diese Nacht wieder 10 Stunden geschlafen. Das Atlantikklima bekommt uns gut. Seitdem wir hier sind, hatten wir am westlichen Horizont die Landzunge gesehen, die sich, mit einem kleinen Wäldchen auf der äußersten Spitze, weit in die Bucht hinein erstreckte. Bei Hochwasser und wenn die Sicht nicht sehr klar war, schien sie wie ein Dolmen aus Baumstämmen auf dem Wasser zu schweben. Wir waren sicher, dort einen magischen Ort zu finden. RR schätzte die Entfernung auf etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde Fußmarsch, ich hielt etwa das Doppelte dagegen. Trotzdem machen wir uns auf den Weg. Um zu unserem Ziel zu gelangen, müssen wir die Bucht ganz umrunden. Wie tief sie ins Land hinein reicht, können wir von unserem Standpunkt aus nicht erkennen; wir können nur hoffen, dass sie hinter dem letzten Haus nicht eine Biegung macht oder als breite Flussmündung endet… Die nicht sehr hohe Steilküste am Anfang der Bucht wird immer flacher und geht bald in einen schmutzigen Sandstrand über, der ganz mit teils feuchten, teils vertrockneten Algen bedeckt ist. Ich ärgere mich, dass ich in meinen Turnschuhen keine Socken anhabe, denn jeder Schritt schleudert kleinere Sand- oder Gesteinspartikel empor, so dass ich wie auf grobkörnigem Schleifpapier gehe. Nachdem wir an ein paar leer stehenden Ferienhäusern vorbei gekommen sind, gelangen wir am Ende des begehbaren Teils der Küstenlinie zu einem bewohnten Haus, auf dessen Grundstücksschwelle ein großer, gelassen aussehender Hund liegt, der genau beobachtet, was wir tun, ohne sich zu rühren oder einen Laut von sich zu geben. Wir ahnen, dass wir hier einem Ritual zu folgen haben, andernfalls werden wir ihn am Hals oder zumindest an den Beinen haben. Das Grundstück ist durch ein etwa hüfthohes Mäuerchen vom Strand getrennt, und ein Schild weist den Wanderer unbarmherzig in Richtung Strand, der knöchel- bis wadenhoch mit feuchten Algen bedeckt ist. Wir wissen, dass der Hund, den Kopf auf den Pfoten, sich innerlich einen grinst, während sein scheinbar schläfriger Blick unseren durch die Algenpest stampfenden Schritten folgt. Bald können wir ihn nicht mehr sehen, denn der Weg macht eine Biegung, und wir stellen fest, dass wir bei Flut hier nicht weiter gekommen wären. Da das Wasser aber gerade am Ablaufen ist, müssen wir nur über ein paar Steine balancieren, die mit glitschigen Algen bedeckt sind und gerade noch aus dem Schlamm herausragen. Dann geht es über eine ziemlich schräge Klippe, die den ganzen Teil des schmalen Strands bis zur Höhe der Mauer bedeckt. Während wir wie die Bergziegen klettern und rutschen und hüpfen, hoffen wir, dass unsere Knochen und Gelenke noch so elastisch sind wie vor 30 Jahren. Während der ganzen Aktion haben wir einen gepflegten Golfrasen vor dem Hintergrund eines weißen Herrensitzes im englischen Landhausstil vor Augen, der sich oberhalb des Mäuerchens ausbreitet. Da die Rolläden alle unten sind, nehmen wir an, daß es ein Feriendomizil für Besserverdienende ist. Wie wir vermutet hatten, ist die Bucht der Mündungstrichter eines schmalen Flüsschens, das wir aber problemlos auf einem hölzernen Steg überqueren können. Damit sind wir also auf der anderen Seite angelangt. Dieser hinterste Teil der Bucht ist inzwischen völlig trocken gefallen, und die wenigen Fischerboote liegen auf der Seite im Schlamm. Wir gehen auf einer Art Damm, der teils trockene, teils geflutete Salzwiesen vom Strand trennt und durch ein Schleusentor den Wasserstand auf der Landseite des Damms reguliert. Wir nehmen an, dass auch hier Austern und andere Schalentiere gezüchtet werden. Im Hintergrund sehen wir ein altes, von hohen Bäumen umgebenes Haus. Es sieht gleichzeitig bewohnt und verlassen aus. Zur Seeseite hin sind die zwei übereinander liegenden Reihen roter, hölzerner Fensterläden geschlossen und von wildem Wein umwuchert. Von der Landseite her führt eine mit Gras bewachsene Zufahrt unter mächtigen alten Seekiefern hindurch, die das Anwesen gegen den Westwind schützen, auf einen Hof, wo ein Fahrrad an eine Mauer gelehnt ist und Kinderspielzeug herumsteht. Auch eine Tischtennisplatte könnte ein Indiz dafür sein, dass hier gewohnt wird oder vor kurzem noch wurde. Bis auf einen neben der Eingangstür sind auch auf dieser Seite alle Fensterläden geschlossen. An der Tür hängt ein Zettel, auf dem wir des Rätsels Lösung vermuten. Wir trauen uns aber nicht so nah heran, da wir befürchten, gerade in dem Augenblick könnte ein Auto die Auffahrt heraufkommen, oder jemand aus der Tür treten. So wird das Haus auf immer ein verwunschenes Schloß für uns bleiben. Nachdem wir uns durch eine das Anwesen umgebende Hecke geschlagen haben, landen wir am Rande eines Ackers, wo plötzlich ohne Vorwarnung eine Million Mücken über uns herfallen. Der Acker ist vom Strand ebenfalls durch eine Hecke getrennt, an der wir mit den Armen wedelnd entlang hasten, bis sich ein Durchschlupf findet und wir in Wassernähe von den Mücken etwas weniger belästigt werden. Noch etliche Male müssen wir den sandigen Uferweg verlassen und durch den veralgten Sand stapfen, weil Privatgrundstücke mit ihren Begrenzungsmauern bis hart an den Strand heranreichen. Es ist sehr warm, wir schätzen 25 Grad, und fast windstill, was die Mückenplage erklärt. Allmählich nähern wir uns jetzt dem Wäldchen, das wir bis dahin nur aus der Ferne von unserem Strand aus gesehen hatten. Es besteht aus ganz jungen Seekiefern, die so elastisch sind, dass der Westwind sie noch nicht hatte verbiegen können. Da sie nicht sehr dicht gepflanzt sind, erlauben sie einen, nur durch ihre schmächtigen Stämme strukturierten, freien Blick auf den heute ganz zahmen Ozean. Das Grün des Waldbodens, gesprenkelt mit dem Rotbraun der Kiefernnadeln, das fast schwarze Braun der Baumstämme, über denen das durchsichtige Grün der Kronen leuchtet, bildet einen absurd schönen Kontrast zur Farbe des Meeres, die an ein lethargisches Grau erinnert und sich nur geringfügig von der des Himmels unterscheidet. RR: Da bei unserem Fortgehen doch einige dunkle Regenwolken am Himmel hingen, zog ich vorsichtshalber meine Wind- und Regenjacke an. Und obwohl ich nach einer halben Stunde fürchterlich anfing zu schwitzen, behielt ich sie an, weil ich wusste, dass die Mücken sie nicht durchstechen konnten. Heimtückisch rächten sie sich an allem, was nicht bedeckt war: Hals, Gesicht, Händen… KB: Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass wir eindreiviertel Stunden gebraucht haben, um hierher zu gelangen. In der topografischen Mitte der Landzunge stehen drei aufrechte, etwa mannshohe Steine, ein dritter, der größte, scheint umgestürzt zu sein, entweder war das mal ein Dolmen oder es sind einfach alte Steine, die seit dem Anfang der Zeit hier stehen und bis zum Ende aller Zeit hier stehen wollen, um sich die immer gleichen Geschichten zu erzählen. Die Reste einer Feuerstelle deuten darauf hin, dass der magische Ort als Picnic Platz beliebt ist. Wir setzen uns auf eine Bank auf der „unserer“ Bucht abgewandten Seite der Landzunge, die ein Teil des Küstenverlaufs der Bucht sein muß, an deren nördlichen Ende der Hafen von La Trinité sur Mer liegt. Der in etwa 300 Metern Entfernung zu sehende graue Betonklotz eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg betont auf jeden Fall die damalige strategische Bedeutung des Ortes. Zwei Fischreiher mit langen, gebogenen Schnäbeln und ein Graureiher stehen auf den flachen Felsen in Ufernähe und recken ihre Hälse. Für den Rückweg brauchen wir nur eine knappe Stunde, da wir uns auf gut Glück für eine Abkürzung entschieden haben, die auf schwankenden Holzbohlen über eine sumpfige Wiese führt und schließlich an einem Haus endet, dessen von bunt gefärbten Weinblättern bewachsene Fassade wie auf dem Bild eines Impressionisten durch das dichte Geäst der Seekiefern leuchtet. Hinter dem Haus finden wir zum Glück wieder auf den Weg zurück, den wir vorhin gekommen waren. Die zweite Abkürzung, schon wieder auf unserer Seite der Bucht, führt durch schulterhohes Buschwerk und ein Kiefernwäldchen, an dessen Rand ein offizieller Parkplatz für Caravans liegt. Dort darf man sich nicht länger als 24 Stunden aufhalten, woran sich nach unseren Beobachtungen natürlich keiner hält. Entsprechend sind die Büsche und das Wäldchen bis auf einen schmalen Trampelpfad zugeschissen. Diese mobilen Troglodyten sind zu geizig, um ein paar Euro für einen Stellplatz auszugeben und dann auch noch zu faul, um die paar hundert Meter zur öffentlichen Toilette zurückzulegen, die man wohlweislich am Rande unseres Campingplatzes zur Verfügung gestellt hat. Der Blitz möge sie beim Scheißen treffen! Auf Nr. 56 essen wir Käse und Brot und trinken Cidre dazu. Wir stellen fest, dass wir gut zweieinhalb Stunden unterwegs waren. Ein zarter Landregen setzt ein. Später fahren wir zur Post nach Locmariaquer, wo wir eine Doppel CD Fest Vraz, Musiques Bretonnes kaufen. Da die Dame hinterm Schalter sich nicht auskennt (Das ist nicht so ganz meine Musik), nehmen wir das Album, das am authentischsten aussieht. Als wir bezahlen wollen, teilt uns die Dame mit, dass man auf diesem Postamt nicht mit Karte bezahlen kann, da es über kein Lesegerät verfügt… Im UTILE kaufen wir beim Metzger frisch zubereitetes Poulet Basquaise, und ich werde aufgefordert mich an einem Gewinnspiel zu beteiligen, bei dem ich eine 2-Ltr-Flasche Rotwein gewinnen kann… Gegen Abend hört es auf zu regnen. Wir haben uns an der Rezeption erkundigt, der Platz schließt am 15. Oktober. Die beiden hinteren Zugänge zum Strand sind bereits abgesperrt, nur unserer ist noch geöffnet. Abends schreitet die kleine, magere Katze wieder ihr Revier ab. Aus sicherer Entfernung äugt sie zu uns herüber, traut sich aber nicht in unsere Nähe. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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