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Reiseberichte
von Klaus Bölling und Renate Rüthlein
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Bretagne September 2006

Ein Reisetagebuch

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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac,
Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes.
 
SA 30.9.06.
RR: Nachts hat es geregnet. Als ich vom Duschen zurück komme, fängt es an, wie aus Eimern zu schütten. Dazu tobt um uns herum ein Gewitter, so dass wir uns ins Auto flüchten. Gegen Mittag hört der Regen kurz auf.

Wir fahren einkaufen und braten uns auf dem Platz gefüllte Frühlingsrollen, dazu gibt es fertigen Karottensalat. Dabei beobachten wir, wie die Katze an unserem Zelteingang vorbei schreitet und den gestrigen Futterplatz an der Hecke absucht. Mein Katzenherz schlägt höher, und ich gebe ihr ein Stück von meiner Frühlingsrolle ab, was sie ausgehungert verschlingt. Nun stellen wir fest, dass sie auch miauen kann, sie fragt uns, ob wir noch mehr zu essen für sie haben. Endlich fällt KB ein, dass wir ja noch zwei Schälchen Katzenfutter haben, da wir immer unserer Minka aus jedem von uns besuchten Land eine Kostprobe des dortigen Futters mitbringen. Auch KB’s Katzenherz macht sich bemerkbar: Er spült das Plastikschälchen aus, in dem der Karottensalat war, ich zerkleinere das Futter - und dann können wir so schnell kaum gucken, wie das Schälchen geleert wird. Es wird noch sorgsam ausgeleckt und ab diesem Zeitpunkt weicht das Kätzchen nicht mehr von unserer Seite. Voller Vertrauen marschiert sie ins Zelt, sitzt auf meinem Stuhl und miaut. Sie hat keine Angst mehr, lässt sich aber nicht anfassen.

Am Nachmittag hört der Regen auf, es ist warm und wir packen soweit wie möglich das Auto. Zwei Meter von uns entfernt sitzt Miau Mio und putzt sich. Sie ist ein Allesverwerter, frisst Brot und Wurstpelle, hat mittlerweile unser Auto innen inspiziert und kommt bis auf einen halben Meter an uns heran.

Gegen 16.00 Uhr kommt die Sonne durch. Ein Blick von unserer Dünenterrasse zeigt uns viele bunte Segel und etliche Surfer.

Als wir meinen, das große Zelt sei trocken, beschließen wir, es abzubauen und die letzte Nacht im kleinen Iglu zu verbringen. Noch während wir das kleine Iglu aufbauen, zieht eine große schwarze Wolke heran und KB beginnt das Schicksal zu verfluchen. Ich kann ihn gerade noch davon abhalten, das große Zelt aus ohnmächtiger Wut mit den Füßen zu bearbeiten. Er will es einfach stehen lassen, aber da ich ja dabei bin, kommt es nicht so weit.

Während des Abbaus stellen wir fest, dass das große Innenzelt an zwei Ecken voller Wasser ist. Angefangen von den Isomatten über die Matratzen bis zu den Decken ist alles nass. Da die schwarze Wolke inzwischen eine andere Richtung eingeschlagen hat versuchen wir, die Sachen so gut es geht auf dem Auto auszubreiten und wischen notdürftig das Innenzelt aus. Der Rest muss in Frankfurt trocknen.

Als wir den Boden des Innenzeltes hoch heben, kommen darunter völlig verstört 2 große und jede Menge kleine Frösche hervor. Wir müssen sie während der Arbeit ständig verscheuchen, da sie wieder zurück in ihr warmes feuchtes Haus wollen.

Nachdem wir fertig sind, gibt es unter freiem Himmel Käse und Wein. Als KB’s Blick auf unser kleines Iglu fällt, ist sein Kommentar: „Ist das niedlich.“

KB: Wir stehen jetzt auf Nr. 55. Ein schwules Pärchen, wie unser scharfer Camperblick sofort registriert hat, ebenfalls mit einem kleinen Iglu unterwegs, wandert Händchen haltend zum Strand. Der eine Jüngling trägt einen Tanga, mit dem er auf einem fast horizontal wachsenden Kiefernstamm posiert…

Die arme Katze ist sehr verwirrt, dass unser Zelt plötzlich so klein geworden ist. Sie hat gerade das Vorzelt inspiziert. Jetzt macht sie sich ganz lang und legt die Vorderpfoten an die Tischkante, um zu sehen, ob es auf dem Tisch noch was zu fressen gibt. Sie tut uns richtig leid, und wir geben ihr die zweite Schale Gourmet-Katzenfutter. So schnell wie sie die Hasenpastete frisst, kann man kaum gucken. Wir schätzen, sie ist ein halbes oder ein Jahr alt, aber mit dem struppigen Fell und dem verhungerten Aussehen ist das schwer zu sagen.

Kurz vor Einbruch der Dämmerung kommt noch ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen, fährt einige Male kreuz und quer durch die Gegend, um ja nicht den allergünstigsten Platz zu übersehen, parkt probeweise mal da mal dort, kommt jedoch einfach nicht zur Ruhe, wahrscheinlich weil die Wasserwaage im Cockpit sagt, dass das Gelände nicht hundertprozentig eben ist… Schließlich wird das Luxusvehikel schräg gegenüber von Nr. 55 geparkt, in unmittelbarer Nähe der Sanitäranlage.

Nachdem der Herr des Hauses ausgestiegen ist, geht er mindestens zehnmal auf Zehenspitzen mit einem Tuch in der Hand um das auf Hochglanz polierte Gefährt herum, wischt dort an einem imaginären Flecken, streicht hier zärtlich über eine verchromte Zierleiste, während Madame, Handfeger und Kehrschaufel in den Händen, unbeweglich in der geöffneten Tür steht und auf Anweisungen des Gatten wartet, der aber erst noch die Satellitenschüssel montieren muß. Dann steigt er wieder hinters Steuer und versucht mit hochrotem Kopf, während sie hektische Zeichen gibt, die Vorderräder so exakt in die gelben Spezialbremsklötze zu manövrieren, damit das Gefährt auch wirklich völlig waagerecht steht. Wir sehen ihnen aus den Augenwinkeln gebannt zu, wie sie endlich aufatmend hinter der geschlossenen Tür und den vorgezogenen Gardinen ihrer Hütte verschwinden.

Kurze Zeit später öffnet sich die Tür wieder. Monsieur steigt aus. Er trägt zu seinen weißen Haaren jetzt ein weißes T-Shirt mit der bretonischen Flagge auf dem Rücken, alles passend zu den zwei nicht sehr großen, weißen Hunden, von denen einer einem denaturierten Pitbull ähnelt. Direkt an uns vorbei und ohne uns und unser ärmliches Iglu auch nur eines Blickes zu würdigen, führt er sie an einer Doppelleine zum Strand… Kurz nach sieben haben wir noch 18 Grad. Ein heller Halbmond zieht eine krakelige Linie über das ruhige Meer. Wir sitzen seit langer Zeit mal wieder ohne die Rückzugsmöglichkeit eines großen Zeltes unter freiem Himmel, an dem die Sterne glänzen. Manchmal zieht eine Wolke vorbei. Die Katze ist immer in unserer Nähe, noch ein paar Tage, und sie würde uns auf den Schoß hüpfen.
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© Klaus Bölling, Frankfurt 2006
 
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