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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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MI 13.9.06. Um 9 Uhr fahren wir los mit einem Tachostand von 846 Kilometern. Für heute haben wir uns vorgenommen, so nah wie möglich an die Bretagne heranzukommen. Wir bleiben auf dem linken Ufer, wo die kaum befahrene D 951 uns an Blois vorbei führt, das vom anderen Ufer huldvoll majestätisch herübergrüßt. Bei Amboise wechseln wir aufs andere Ufer, da uns die Passage durch Tours auf einer Departementstraße zu kompliziert erscheint. Die N 152 führt dann auch problemlos immer am Ufer der Loire entlang durch Tours hindurch. Wir erspähen sogar ein Plätzchen am Straßenrand, auf dem wir das Auto direkt vor einer Brasserie parken können, wo uns die charmante Chefin, die in der Küche gerade beim Gemüseputzen ist, deux Grands Crèmes serviert und dazu zwei Croissants, die ich allerdings erst vom Boulanger nebenan holen musste. Eigentlich hatten wir vorgehabt, hinter Tours bei Saumur wieder auf die beschaulichere Seite des Flusses zu wechseln, doch ein Blick in den Autoatlas läßt es uns ratsamer erscheinen, auch die nächste größere Stadt, Angers, auf der N 152 zu umfahren, wo der Verkehr allmählich metropolenmäßig wird. Alle LKWs Frankreichs scheinen in Angers zu tun zu haben. Die Beschilderung ist so saumäßig, dass für Leute, die dafür verantwortlich sind, glatt die Einführung einer milden Prügelstrafe zu erwägen wäre. Wir waren dem Schild NANTES gefolgt, das nur einmal ganz am Anfang aufgetaucht war und dann nie wieder. Erst als uns nach längerer Fahrt in die offensichtlich falsche Richtung klar wird, daß sämtliche Städte Frankreichs, in die wir nicht wollen, prächtige Schilder haben, nur die Stadt NANTES von der Landkarte verschwunden zu sein scheint, fahren wir von der Schnellstraße ab und versuchen, uns irgendwie zu orientieren. Über winzige Sträßchen und asphaltierte Feldwege rollen wir durch eine sehr reizvolle Gegend auf der Suche nach einem Hinweis, wo wir uns befinden könnten. Doch außer mampfenden Charolais Rindern treffen wir kein lebendes Wesen, und die Ortschaften, deren Namen wir vereinzelt auf einem verwitterten Schild entdecken, scheinen so klein zu sein, daß sie noch nicht einmal in unserem sonst sehr guten Atlas zu finden sind. Wir machen uns also erst gar nicht die Mühe, solch einem Schild zu folgen und fahren zurück zur Schnellstraße, wo wir genau die entgegen gesetzte Richtung wie vorhin einschlagen, und siehe da, nach ein paar Kilometern taucht ein Schild NANTES auf. Ab jetzt entspricht die Beschilderung mitteleuropäischen Standards, und wir schaffen es ohne größeren Nervenzusammenbruch, Angers hinter uns zu lassen. Bei St. Georges fahren wir aufatmend wieder auf die andere Seite der Loire, wo wir in Chalonnes auf die D 751 treffen, die nach Nantes führt und an der hoffentlich ein Camping liegt, wo wir übernachten können. Und tatsächlich, in der Nähe des Städtchens Ancenis unterhalb der Ortschaft Drain finden wir beim Kilometerstand von 1141 einen Camping Municipal, der geöffnet hat. Kurz nachdem wir das Iglu aufgebaut haben, beginnt es zu regnen. Wir sind fast allein auf dem Platz, der sehr schön am Ufer eines Altarms der Loire liegt, über dem sich Krähen und Möwen tummeln. Auf dem gegenüberliegenden Ufer stehen zwei Angler im feinen Regen. Nur einen Campingbus aus NL gibt es noch in der Nachbarschaft, unter dessen Zeltvorbau ein Pärchen mittleren Alters in Rollstühlen sitzt und liest. Die Dame vom Accueil schaut kurz vorbei und meint, daß sie gegen 5 im Büro sein werde, wo wir dann die Formalitäten erledigen könnten. Da wir Hunger haben, fahren wir nach Drain, dem kleinen Ort, der sich über einen steilen Hügel hinzieht. Ein Restaurant finden wir leider nicht, dafür aber einen Bäckerladen und einen Supermarkt mit Tiefkühltruhe. Der entnehmen wir ein Pfannengericht aus Kartoffelscheiben, grünen Bohnen, Pilzen, Knoblauch und Entenfleisch. Das kann ich während einer kurzen Regenpause schnell zubereiten, essen müssen wir allerdings im Auto. Dafür schmeckt es aber sehr gut. Leider schaffen wir nicht alles, und leider kann man beim Campen keine Reste aufbewahren. Gegen 5 Uhr treffe ich die freundliche Dame in der Rezeption. Als sie den Personalausweis anschaut, sagt sie: Ah Francfort…! Ich zahle 7 Euro 50 und erfahre, daß es auf dem Platz einen Fernsehraum gibt, den wir bei schlechtem Wetter heute Abend benutzen können. Außerdem drückt sie mir herumliegendes Prospektmaterial in die Hand und erzählt lebhaft von den „Boires oubliées“, den Altarmen der Loire, deren Landschaft mit seinem komplizierten Ökosystem einen besonderen Reiz habe. Auch den Wetterbericht erwähnt sie, und der sei ganz schlecht, dabei wackelt sie bedauernd mit dem Kopf, es sei nur Regen in Aussicht, aber in der Bretagne gebe es ja viel Wind, da würde sich das Wetter immer schnell ändern… Als ich zum Iglu zurückkehre, überholt mich ein Kleinbus mit einer Hebebühne drauf und den Schriftzügen einer Elektrizitätsgesellschaft an den Seiten. Die beiden Insassen, offenbar Arbeiter auf Montage, wohnen in einem Caravan ein paar Parzellen weiter. Manchmal hört der Regen für ein paar Minuten auf, doch dann geht es wieder los. Wir kennen das Spielchen, raus aus dem Auto, rein ins Auto, der Wein steht griffbereit im nassen Gras, man hat immer was zu tun, um zu überleben, und so ein abartiger Gedanke, wie den Abend in einem Fernsehraum zu verbringen, würde uns erst gar nicht in den Kopf kommen. Die Rollstuhlfahrer, von denen sich der Mann noch ganz gut für kurze Zeit außerhalb des Rollstuhls bewegen kann, werden von zwei kleinen Hunden in Trab gehalten. Die freundliche Dame vom Platz schaut öfter bei ihnen vorbei und hat offensichtlich auch Einkäufe für sie erledigt. Als sie geht, wünscht sie uns allen eine Bonne nuit. Ehe es ganz dunkel wird, hört der Regen auf, und wir machen einen kleinen Abendspaziergang am Wasser entlang. Die Wiesen dampfen, und wir sind die einzigen Menschen auf dem Planeten, der nur aus dieser Auenlandschaft besteht, in der merkwürdige Vögel am anderen Ufer noch merkwürdigere Töne von sich geben, ehe sie sich kopfüber ins träge Wasser stürzen. Am Ufer schwarze, halb voll gelaufene Barken, die auf die Angler warten. Wir sitzen bis 10 Uhr vorm Zelt, schauen aufs Wasser, in dem sich der etwas hellere Himmel spiegelt. Um uns Stille, dann und wann ein Vogelruf, das Zirpen einer Grille. Über uns ein schüchterner Sternenhimmel. Nachts regnet es. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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