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Loire, Locmariaquer, Morbihan, Auray, St.Anne d’Auray, Carnac, Quiberon, Paimpont, Le Pouldu, Pont Aven, Rochefort-en-Terre, Vannes. |
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FR 15.9.06. Die Nacht war kalt. Das haben wir zwar registriert, aber gefroren haben wir nicht. Morgens um 8 Uhr messen wir 10 Grad. Da es etwas stürmisch ist, bezwingen wir unseren Masochismus und frühstücken nicht im Freien, sondern im Zelt, und weil uns das gefällt, beschließen wir, in Zukunft grundsätzlich im Zelt zu essen und natürlich auch zu kochen. Nach dem Frühstück sichern wir das Zelt mit Sturmheringen, räumen das Auto auf und sind schließlich um 11 Uhr fix und fertig eingerichtet. Es kann losgehen. Da wir uns vorgenommen haben, in den nächsten Tagen nur die engere Umgebung zu erkunden, fahren wir heute auf dem Küstensträßchen nur die 2 Kilometer bis zur Pointe de Kerpenhir. Das bretonische (bzw. keltische) Ker pen hir heißt soviel wie Kap oder Landzunge. Auf dem gemauerten Rondell stehend, blickt man auf die Rückseite einer überlebensgroßen steinernen Statue, die mit einem Kind auf dem Arm, auf den Ozean hinausblickt. Wir denken zuerst erschrocken, doch nicht etwa die heilige Jungfrau mit dem Jesulein, doch unsere leise Hoffnung, daß es auch etwas anderes sein könnte, wird später durch den Reiseführer bestätigt: es ist eine Fischerfrau, die auf die Heimkehr des Fischermannes wartet. Zu der ersteren Vermutung hatte zum einen beigetragen, dass das bretonische Locmariaquer soviel wie Ort der Heiligen Maria bedeutet, zum anderen, daß die landestypische, runde Haube der Frau von hinten gesehen an einen Heiligenschein erinnerte… Von der felsigen Landzunge schaut man auf die nur einen Kilometer breite Meerenge, die den Golf von Morbihan mit dem Ozean verbindet. „Das kleine Meer,“ bretonisch: Mor Bihan, ist ein ausgedehntes Binnenmeer mit hunderten von Inselchen und einem sehr milden Klima und teilweise mediterraner Vegetation. Eine bretonische Legende berichtet von den Feen, die einst hier lebten, und deren Tränen, als sie vor den Menschen flüchten mußten, das Land überschwemmten… Alle 12 Stunden werden an dieser Stelle die Wasser mit 10 Knoten Geschwindigkeit entweder in den Golf gedrückt oder sie fließen zurück in den Ozean. In grauer Vorzeit glitten hier bei abfließendem Wasser die Schiffe mit den Seelen der Toten vorbei, hinüber ins Reich der Göttin des Jenseits. Um zum Platz zurück zu kommen, müssen wir über Locmariaquer fahren, was aber nur ein paar Minuten dauert. Unterwegs hatten wir kurz anhalten und aussteigen müssen, weil ich meinte, durch das Buschwerk am Straßenrand auf der dahinter liegenden Wiese einen Menhir gesehen zu haben. Doch wir fanden keinen Hinkelstein weit und breit, nur Matsch und Kuhscheiße. Wir stellen das Auto auf dem großen Parkplatz am Ortseingang ab, der auch genügend Raum für Reisebusse bietet, von denen einer gerade eine Ladung französischer Senioren ausspuckt. Wir sind trotzdem ungestört in den zwei oder drei schmalen Gässchen, die alle zum Hafen führen. Die einstöckigen Häuser sind aus grauem Granit und machen einen für die Ewigkeit gebauten, ziemlich abweisenden Eindruck. Noch nicht ganz verblühte Hortensien verleihen dem Bild eine etwas freundlichere Note. Nachdem wir einen kurzen Blick auf den Hafen riskiert haben, beschließen wir, heute Nachmittag noch mal zu Fuß wiederzukommen, da jetzt zur Mittagszeit die Terrasse des einzigen Bistros überfüllt ist von mampfenden Senioren. Um 14 Uhr messen wir auf dem Platz 18 Grad. Der Wind kommt immer noch aus Nordwest. Nach dem Essen machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Locmariaquer. Am UTILE vorbei führt die Landstraße durch eine Siedlung von weit auseinander stehenden, grauen Häusern, die vergeblich versuchen, sich in ihren Vorgärtchen zu verstecken. Wir brauchen eine dreiviertel Stunde bis zu dem Parkplatz, wo wir heute Morgen das Auto geparkt hatten, von da sind es bis zum Hafen nur ein paar Schritte. Es hat zu nieseln begonnen, und wir fühlen uns fast wie in Cornwall. Auf der Terrasse des Bistros finden wir noch ein Plätzchen unter der Markise. Wir bestellen einen Grand Crème und eine Bollée de Cidre (4 € 70). Die Bollée ist ein Keramikschüsselchen, das an eine Suppentasse erinnert, aus dem man in der Bretagne den Cidre schlürft. Wir schauen auf den Hafen, der eigentlich nur die weite Mündung des Flusses Auray ist. Da wir gerade Hochwasser haben, schaukeln ein paar kleine Segelboote vor der Quaimauer. Zwei Möwen kreischen im Wind. Das gegenüberliegende, mit grünem Buschwerk bestandene Ufer gehört zu einer der 365 Inseln, für jeden Tag eine, die über den Golf von Morbihan verstreut sind. Die Autos auf dem Parkplatz vor dem Bistro tragen fast alle einheimische Kennzeichen. Die meisten Leute, die auf der Terrasse sitzen, warten auf die Abfahrt der Fähre zu einem der Inselchen. Während es still und leise auf die Markise pieselt, vertreiben wir uns die Zeit damit, laut darüber nachzudenken, warum es so viele belgische Rentner auf dem Campingplatz gibt. Wir nehmen an, da Französisch mit belgischem Akzent in Frankreich als Todsünde gilt, traut man sich wahrscheinlich nur in die Bretagne, wo man das mit dem Akzent nicht so genau nimmt… Auf dem Rückweg nehmen wir den sentier litoral, einen schmalen Weg, der sogar für Fahrräder gesperrt ist und zwischen flachen Häuschen und kleinen Gärtchen, die direkt bis ans Wasser gehen, hindurchführt. Leider hört der Weg auf der Höhe des großen Parkplatzes auf, und wir müssen wieder auf die Landstraße zurück. Der Himmel hängt tief und es nieselt ohne Unterbrechung. Ich habe Atemnot und gerate ins Schwitzen. Der Nikotinkonsum der letzten Tage macht sich bemerkbar… Kurz vor dem Ortsausgang das Hinweisschild zu einem Tumulus: Mehr als … Hroec’h … können wir uns von dem umfangreichen bretonischen Namen nicht merken. Und weil wir das sowieso nicht aussprechen können, ist es auch egal. Über einen schmalen, feuchten, an beiden Seiten mit Büschen bewachsenen Hohlweg gelangen wir zu einem riesigen, immer noch recht hohen Steinhaufen, der in der Mitte eingesunken ist. Eine steile, lange Treppe führt zu einer zum Glück verschlossen aussehenden Holztür hinab, hinter der wir nichts vermuten, was uns dazu verleiten könnte, die glitschigen Stufen hinab zu steigen. Schon gar nicht ohne Taschenlampe, die man hier immer dabei haben sollte. Da der Ort alles in allem den Charme eines eingesunkenen Massengrabs hat und ehe uns keltisch sprechende Geister ob unserer ketzerischen Gedanken auf die Pelle rücken können, treten wir lieber den Rückzug an. Ganz am Ende des Hafens, wo die Boote jetzt bei Ebbe auf der Seite im schwarzen Schlick liegen, steht eine Bretterbude, in der Austern und andere Schalentiere verkauft werden. Das Kilo kostet ca. 5 Euro. Locmariaquer hat eine lange Tradition in der Austernzucht. Neben dem Tourismus ist sie die Haupterwerbsquelle. Über 40 Zuchtbetriebe produzieren rund 3000 Tonnen Austern pro Jahr. Da wir nicht wissen, ob wir die Dinger aufkriegen und uns auch nicht als Barbaren outen möchten, die nicht täglich zum zweiten Frühstück ein halbes Dutzend Austern schlürfen, verzichten wir auf das Schnäppchen. Abends sitze ich oben auf der Düne im Wind und fotografiere den ersten großen Sonnenuntergang. |
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| © Klaus Bölling, Frankfurt 2006 | ||||||||||||||||||||||||
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