manasvi.com / manasvi.de
spurensuche
episode
©

 

Die Enttarnung findet nicht statt …

“Hannes”, Jahrgang 1941.
Zusammenarbeit mit der HVA seit 1968.
Verbindungsmann zur Quelle Britta” und “Klaus”[1].
Bruder von “Klaus”.

1.

   Ist der Sozialismus ein humanistisches Gesellschaftssystem, in dem der Mensch mit seinen Bedürfnissen und nicht die Interessen einer am höchstmöglichen Profit orientiertern Kapitalverwertung im Mittelpunkt aller Überlegungen steht ?
   Ist der Sozialismus ein Beitrag zur internationalen Völkerverständigung, der den imperialistischen Bestrebungen des Kapitals Einhalt gebieten kann und damit der Spirale von Haß und Gewalt als quasi zwangsläufiger Begleiterscheinung entgegenwirkt ?
   Ist der Kalte Krieg die Drohkulisse, die die Entstehung, Entwicklung und Ausbreitung sozialistischer Gesellschaftsmodelle verhindern soll, notfalls durch einen heißen Krieg ?

       Ältester Sohn einer siebenköpfigen Arbeiterfamilie, stellte ich mir spätestens im Verlaufe meines Studiums an der Philipps-Universität Marburg, während dessen ich den Schwerpunkt von Volkswirtschaft auf Politikwissenschaft und Soziologie verlegte und vom Mitglied einer schlagenden Verbindung zum Mitglied im SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) wurde, derartige Fragen.

Die lebendige Diskussion theoretischer Schriften zum humanitischen Erbe im privaten Kreis;
der Vietnamkrieg;
die Ablehnung einer von mir mitorganisierten und zusammen mit Georg Fülberth [2] und Helmut Becker verantworteten Ausstellung zum Vietnamkrieg im Jahre 1965 durch den Rektor der Universität;
die Diskussion um die Notstandsgesetze;
die Restaurationstendenzen im westlichen Teil Deutschlands, die ermöglichten, daß ein Kurt Georg Kiesinger, Mitglied der NSDAP seit 1933, stellvertretender Abteilungsleiter für Propaganda im Reichsaußenministerium und zuständig für die Verbindung zum Reichspropagandaministerium von Joseph Goebbels B u n d e s k a n z l e r , daß ein Hans Filbinger, Mitglied von NDStB (Nationalsozialistischer Deutschen Studentenbund), SA (die Sturmabteilung genannte paramilitärische Kampforganisation der NSDAP), und NSDAP (Nationalsozialistische Partei Deutschland)
M i n i s t e r p r ä s i d e n t von Baden-Württemberg, daß ein Hans Globke, Mitherausgeber des Kommentars zu den Nürnberger Rassengesetzen und Mitarbeiter am "Kodex des jüdischen Rechts" in der Slowakei, mit dem die Entrechtung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung eingeleitet wurde
S t a a t s s e k r e t ä r der Regierung Adenauer, daß ein Erich Schwinge, der maßgeblich die NS-Strafrechtswissenschaft beeinflußt hat, nach 1945 Professor und R e k t o r   d e r   M a r b u r g e r
U n i v e r s i t ä t   wurde;
der Ereignisse um den Schahbesuch im Juni 1967 und schließlich
ein Besuch der Arbeiter- und Jugendfestspiele im ehemaligen Karl-Marx-Stadt mit ersten Kontakten im anderen Teil Deutschlands

- all dies sind einige der Wegmarken, die mich schließlich veranlaßten, einen Beitrag zur Sicherung der sozialitischen Alternative und zur Verhinderung des Ausbruchs eines ‘heißen Krieges’ darin zu sehen, als ‚Kundschafter des Friedens’ zur Aufklärung solcher friedensbedohenden Absichten und Pläne beizutragen.

2.  

   So sehr ich aus dieser Überzeugung heraus meine Zusammenarbeit mit der HVA (Hauptverwaltung Aufklärung) aufnahm, so schwer fiel es mir, die persönlichen Konsequenzen zu ziehen, die die Arbeit eines Kundschafters erfordert:


Meine ‚linke’ Vergangenheit würde leicht die Aufmerksamkeit der gegnerischen Dienste auf sich ziehn.
Schon bei meiner Einstellung in den Dienst des Landes Berlin fand sich ein Vermerk in meiner Personalakte, daß ich – entgegen dem damaligen Brauch, sofort in das Beamtenverhältnis auf Probe übernmmen zu werden – zunächst für sechs Monate zu beobachten sei.
Hintergrund war, daß ich u.a. Politikwissenschaften in Marburg bei Prof. Dr. Wolfgang Abendroth und später in Berlin bei Prof. Dr. Wilfried Gottschalch studiert hatte.

   Eine räumliche Trennung zu meinem Marburger Freundeskreis entstand bereits 1967 mit meinem Wechsel nach Berlin. Die Erwartung an mich war, aus Gründen der Sicherheit keinen Kontakt mehr mit ihm aufzunehmen bzw. die bereits bestehenden Kontakte einschlafen zu lassen.
   Nach meinem Wechsel von Marburg nach Berlin im Jahre 1967 hatte ich mich anfänglich zwar noch exponiert, einen Besuch in der Kommune I vorgenommen, deren Wohnung wie meine erste in Berlin in der Joachim-Friedrich-Straße gelegen war, einen Kontakt mit Rudi Dutschke aufgefrischt, den ich bereits in Marburg kennengelernt hatte und Freunde zu einem Diskussionskreis in der Cauerstraße in Berlin-Charlottenburg um mich gesammelt. Ich zog mich jedoch nach meiner Bereitschaft, für die HVA zu arbeiten, zügig zurück.
   Mit meinem Wechsel von Berlin nach Köln im Jahre 1970 hatte ich schließlich meine gesamte ‚linke’ Vergangenheit äußerlich hinter mir gelassen.
   
   Dieser Konflikt, einerseits Freunde hinter mir zu lassen, denen ich mich emotional und intellektuell verbunden fühlte und andererseits nur Freundschaften zuzulassen, die für die gegnerischen Dienste unverdächtig sind, ist für mich eine der schwersten und schwierigsten Herausforderungen in meiner Arbeit als Kundschafter gewesen, der ich mich zu stellen hatte.
   Umso wichtiger war es für mich, die wichtigsten Mitarbeiter der HVA als Freunde und Weggefährten zu erleben, denen ich mich sowohl politisch wie menschlich verbunden fühlte und auch noch heute fühle, vor allem:
   Kurt S., mein standfester und zuverlässiger Agentenführer über 22 Jahre,
   Dr. Walter P., mein 2003 viel zu früh verstorbener Ver-

 

Seite 1

separation

Copyright © 2005 Prem Manasvi. Alle Rechte vorbehalten.
WebDesign & WebHosting: nalukkettu consulting

manasvi.de